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Aus dem Stoffwechsel-Magazin

Der lange Kampf des Wehrmachtdeserteurs Ludwig Baumann

Heute vor 66 scheiterte ein Attentat auf Adolf Hitler, geplant von Männern und Frauen des 20. Juli, wie sie gerne genannt werden. Sie kamen aus dem nationalkonservativen Widerstand und wurden schon früh rehabilitiert und geehrt. Doch uns geht es heute um die lange Vergessenen, die Verachteten, die lange kämpfen mussten um anerkannt zu werden. Die Deserteure. Sie wurden – auch nach der Befreiung vom Faschismus – verachtet, als Feiglinge diffamiert oder gar als Verräter bedroht.
Ludwig Baumann ist Wehrmachtdeserteur, wurde zum Tode verurteilt, hat überlebt, und wurde auch in der BRD bedroht. In seinem Leben spiegelt sich die lange Geschichte der Wehrmachtdeserteure wider. Und ihr Kampf um Anerkennung und Rehabilitierung – was erst 2002, fast 60 Jahre nach Kriegsende, gelang. Deshalb steht die zweite Stunde Stoffwechsel heute ganz im Zeichen seiner Erlebnisse und seines Kampfes. Von Ludwig Baumann, der sagt: Was kann man besser tun als den Krieg zu verraten?

"Der Soldat kann sterben, der Deserteur muss sterben" – So lautete eine Anweisung von Adolf Hitler. 30.000 Deserteure, „Wehrkraftzersetzer“ und Kriegsdienstverweigerer wurden zum Tode verurteilt. Gegen mehrere 10.000 wurden Zuchthausstrafen verhängt, über 20.000 Todesurteile vollstreckt. Überlebt haben das Grauen in den KZs und Strafbataillonen keine 4.000 der Deserteure. Nach der Befreiung waren die meisten von ihnen körperlich und seelisch zerbrochen. Und auch nach Kriegsende wurden sie als Feiglinge und Vaterlandsverräter diffamiert und bedroht.
Einer von ihnen ist Ludwig Baumann. Er ist aus der Wehrmacht desertiert, überlebte und konnte lange Zeit nicht in der bundesdeutschen Gesellschaft Fuß fassen. Doch schließlich fing er an sich in der Friedensbewegung zu engagieren. Und er setzte sich jahrelang und dann auch erfolgreich für die Rehabilitierung der Deserteure ein.
Kürzlich war Ludwig Baumann in Erlangen und ich habe mit ihm gesprochen über seine Desertion und seinen langen Kampf, dann auch noch in der BRD. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Doch zunächst wirft er einen Blick zurück in seine Kindheit.

 
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Ludwig Baumann desertierte im Juni 1942 aus der Wehrmacht. Nach seiner Festnahme wurde er wegen „Fahnenflucht im Felde“ zum Tode verurteilt. An den Prozess selbst hat er nur noch undeutliche Erinnerungen:

 
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Ludwig Baumann ist 1942 von der Wehrmacht desertiert und wurde zum Tode verurteilt. Doch weshalb ist er desertiert? Was war seine Motivation?


 
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Lange mussten Deserteure der Wehrmacht kämpfen, um nicht weiter, in der BRD, als vorbestraft zu gelten. Ludwig Baumann hat diesen Kampf geführt, zusammen mit der "Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz", deren Vorsitzender er ist. Baumann ist selbst desertiert, wurde zum Tode verurteilt und zu Strafbataillon "begnadigt". Wie war es für ihn, nach 1945, in ein Land zurückzukehren, das zwar befreit war, das aber Hitler an die Macht gebracht hatte und seine Kriegsschuld nicht zugegeben hat, in diese Gesellschaft?


 
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Erst 2002 wurden Deserteure der Wehrmacht rehabilitiert. Stark dafür eingesetzt hat sich Ludwig Baumann, der heute bei uns ausführlich zu Wort kommt. Ein Meilenstein war Mai 1997. Da gab es einen Beschluss, in dem der Deutsche Bundestag feststellte:

"Der Zweite Weltkrieg war ein Angriffs- und Vernichtungskrieg, ein vom nationalsozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen".

Doch für Deserteure bedeutete dieser Beschluss noch kein Aufatmen:

 
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Die bundesdeutsche Gesellschaft hat sich schwer getan mit denen, die sich Hitlers Befehlen verweigert hatten. Mit Deserteuren, "Kriegsverrätern" und "Wehrkraftzersetzern". Deserteure der Wehrmacht wurden erst 2002 – endlich – rehabilitiert. Noch später, nämlich erst 2009 wurden auch diejenigen rehabilitiert, die wegen sog. Kriegsverrat zum Tode verurteilt wurden.

Doch weshalb hat das alles so lange gedauert? Einschätzungen dazu von Ludwig Baumann:

 
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